© Soheyla B. Fahimi
Pressetexte (Auswahl)
Rheinische Post, 11. Juli 2006
SERIE BESUCH IM ATELIER - ZERRISSENE SCHEINWELTEN

Uralte Kulturen, besonders die der Kelten, faszinieren die Malerin Soheyla B. Fahimi . Die 44-jährige Künstlerin verarbeitet in ihren Bildern gern Mythen und nutzt dabei alte Plakate , die sie in Schichten übereinander klebt.

 


 
Soheyla B. Fahimi inmitten ihrer pastelbunten Bilderwelt. Die Künstlerin malt vorzugsweise auf geschichteten Rückseiten von Plakaten und ist außerdem eine Expertin für Seidenmalerei.
RP-FOTO:ISABELLA RAUPOLD

Von Dirk Richerdt

Aus dem Künstlerhaus an der Eickener Straße musste Soheyla B. Fahimi vor einigen Monaten ausziehen. Sie freut sich, ein neues Refugium gefunden zu haben: eine zum Atelier umgebaute Wohnung an der Alsstraße. „Ich bin ein Multikultur Mensch”, sagt sie gleich nach der Begrüßung, „mich interessiert die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Kulturen”, betont die Frau, die aus einer deutsch-persischen Ehe hervorgegangen ist. Alle vier Räume im neuen Atelier, selbst die kleine Küche, lassen auf den ersten Blick erkennen, dass hier künstlerisch gearbeitet wird: Mehrere Staffeleien mit fertigen und halbfertigen Bildern mit Farben vorzugsweise in Pastelltönen stehen bereit, auf einem Tisch ein Stapel Plakate aus dickem Papier. Die nachdem die Werbeträger auf Flächen und Litfaßsäulen ausgedient haben. „Das Prinzip der Décollage ist für meine Bilder ganz wesentlich”, sagt die Künstlerin. Den Plakaten gilt ihre Hassliebe, denn sie nutzt etwas für neue Ziele, dessen Urzweck sie ablehnt: „Wir lassen uns über die Werbung mit einer Scheinwelt zudröhnen, die versucht uns alles vorzugeben- wie wir empfinden, wie wir leben sollen.” Die ehemalige Studentin der Textil- und Bekleidungstechnik an der Fachhochschule Niederrhein (Abschluss Diplom-Ingenieurin) sucht da lieber eine andere Wirklichkeit abzubilden. Da ist zum Beispiel das Bild „Merlin”, scheinbar nur ein vages Porträt. Aber da ist außer dem schemenhaften Profil des Druiden und Zauberers aus der Artus-Sage auch noch mehr zu sehen. Ganz allmählich nur vermag sich das Auge an die Motive der von mehreren Papierschichten plastisch aufbereiteten Oberfläche des hochformatigen Bildes heranzutasten. Sieht hier einen alten, bärtigen Mann, erkennt dort das Antlitz einer gekrönten Prinzessin. „Ich arbeite mit der Viel-Schichtigkeit von Figuren aus alten Legenden”, erläutert Fahimi.

Gegensätze gehören zusammen
Sie will den Betrachter einladen, eine „Reise in das Bild hinein” zu unternehmen. Gut und Böse, Glück und Leid, Freude und Trauer vermischt sie dabei. „Dualität ist ein wichtiges Thema für mich, aber nicht im Sinne von unversöhnlichen Gegensätzen, ich meine, sie gehören zusammen.” Danach wundert man sich nicht mehr, dass die Malerin in einem Bild einen Engel mit einem Teufelchen tanzen lässt. „Dämonen gehören auch zu unserem Leben”, lautet ihre lapidare Erklärung. Bevorzugt spannt Fahimi die Leinwand auf einen kastenförmigen Holzgrund und montiert darauf ihre Papierschichten. Die können reliefartig aus dem Bildgrund heraustreten- und schon dient die schrundige Papiermasse als Kennzeichen eines Engelsflügels. Auch Skulpturen aus Terracotta stehen im Atelier, wie Wächter ­ auch sie entstammen überwiegend keltischen Mythen und Mystik. Wie gesagt: Es geht um Multikultur.

 

 

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Neuß-Grevenbroicher Zeitung, 10. Juni 2006  
 


"Traumreise", 2006  

Korschenbroich(Ros) Soheyla Bongartz Fahimis Bilder sind wie Tickets- für eine Reise ins eigene Ich. Im Mittelpunkt stehen Décollagen, die aus Schichten von Werbeplakaten aufgebaut sind. Noch bis zum 2. Juli Sind die Werke der Mönchengladbacherin im Foyer der Niederrheinklinik zu sehen.

Werbung als Mittel zur Kunst- für Fahimi kein Problem. Die bunte schrille Welt der Werbung möchte Wünsche wecken. Soheyla Bongartz Fahimi bezweckt mit ihren Bildern aber etwas ganz Anderes. Sie zerstört Schicht für Schicht den schönen Schein der Werbe-Traumwelt. Die Mönchengladbacher Künstlerin schafft stattdessen eine neue, mystische Welt, vornehmlich in zarten und leicht-luftigen Farben. Statt Knallfarben auf Werbeplakaten.


Fantasie anregen
Außerdem hat die Künstlerin im Kontrast zu den Werbeexperten keine Erwartungshaltung. Sie will keine Wünsche Wecken. Sie will die Fantasie des Betrachters anregen, Assoziationen wecken, ihn zum Träumen bringen. Bestes Beispiel, dass Soheyla Bongartz Fahimi dieses Ziel mit ihren Bildern erreicht: ihr Werk mit dem Titel „Merlin“. Der Name allein erinnert an einem weisen alten Zauberer, mit einem langen weisen Bart. Das Bild sieht auf den ersten Blick aus wie eine abstrakte Farbkomposition in Pastelltönen. Doch beim zweiten Blick entpuppt es sich als eine mystische Kulisse, die an längst vergessene Märchen erinnert. Der Betrachter wird ermuntert, eine Reise in das eigene Ich anzutreten, sich seine Träume und Visionen zu erinnern und dadurch sich selbst neu zu entdecken. Überlagerte Wünsche und Bedürfnisse sollen so „entschleiert“ werden, dem Betrachter klar vor Augen treten. Im Mittelpunkt steht die Frage: Was ist tatsächlich wichtig im Leben? Selbst Dämonen wirken in den Werken der Malerin und Bildhauerin irgendwie liebenswert. Das begründet sich ihrer Geisteshaltung: Das böse hat für sie die Funktion, das Gute erst sichtbar zu machen.
Die Technik der Décollage bildet die Grundlage ihrer Arbeit. Die Künstlerin nimmt von Wind und Wetter bearbeitete und von den Händen Vorbeigehender teilweise abgerissene Plakate mit, um sie für ihre Bilder weiter zu verarbeiten.

Sie löst Flächen ab und klebt neue darüber, aus diesen zufälligen Formen entwickelt sie ihre Bilderwelt.

Auch Bildhauerin
Der größte Teil der künstlerischen Arbeit Soheyla Bongartz Fahimis ist zwar von der Malerei geprägt, doch auch die Bildhauerei hat für sie eine tiefe Bedeutung. Während die Malerei die Gefühle Erinnerungen und Vorstellungen Fahimis über den Pinsel als „Vermittler“ abbildet, so empfindet sich die Arbeit beispielsweise mit Ton als unmittelbarer Umsetzung ihrer eigenen Emotionen und Erfahrungen. Aus dem Bauch heraus modelliert sie Figuren und Formen, ebenfalls mit mystischem Charakter.
 

 

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Rheinische Post, 21. Juni. 2005

Mit drei Ausstellungsorten startete die Aktion Schwalmtaler Kunsttage in Jahr 2001. Beim Tag der Kunst 2005 lockten 13 Ziele in Amern, Waldniel, Ungerath und Dilkrath Besucher in Scharen . Am Rande kam es auch noch zum Eklat.

 

 

Zum Nord-Süd_Konflickt der Lokalen Agenda stellte Soheyla B. Fahimi im Bürgerhaus Bilder und Skulpturen aus. Sie war eine von 18 Kunstschaffenden, die am 5. Tag der Kunst ihre Werke einem breiten Publikum zeigten.

 

Von Andrea Wilms-Adrians

Schwalmtal
In der Gemeinschaftsausstellung zur Eröffnung der Kunsttage im Bürgerhaus waren alle ausstellenden Künstlerinnen und Künstler exemplarisch mit jeweils einer Arbeit vertreten. In diesem Jahr konnte sich das Projekt mit internationalem Flair schmücken. Clemens Weiss stammt zwar aus der Region, fand aber vor 20 Jahren in New York eine neue künstlerische Heimat. Wegen seiner Beteiligung bei der „Intervention Stadtraum-Kirche, sieben Kunststationen in Brandenburg“ weilt er derzeit in Deutschland und war gerne zum Abstecher in den Waldnieler Schmiedenhof bereit. Dem Präsentationsraum angemessen, beschränkte er sich hier auf kleinere Arbeiten. Eine Serie von Skizzen mit malerischen Elementen ist auf Zeitungsseiten collagiert und reflektiert rückwirkend die sprachliche Orientierung im neuen Land. Wie gezeichnet lässt Weiss seine Glasfiguren in einer vereinfachten Stilisierung der menschlichen Gestalt emporwachsen. In gläsernen Objektkästen birgt er Fotos wie einen kleinen Schatz und erinnert im spielerischen Zug an Geschicklichkeitsspiele. Gleich um die Ecke stellte die Perserin Soheyla B. Fahimi im Bürgerhaus aus. Ihre Bilder sind oft von Blautönen geprägt. In Decollagen zerstört sie Scheinwelten alter Plakate, um malerisch neue verschlüsselte Räume für Träume zu schaffen. Beim genauen Betrachten schälen sich Gesichter aus der Komposition, scheinen sich Elemente zu neuen Formationen zu verbinden. Mythologische Bezüge stellen die Verbindung zu ihren dunkel patinierten Terrakottafiguren her. Peter Nagel verwirrte in der katholischen Kirche St. Michael mit der sich kreisend wiederholenden Christusfigur über einer ansteigenden Landschaft von Fragmenten des gleichen Christustyps. Die Figurengruppe erregte bei den Kirchenbesuchern Anstoß wegen einer Christusdarstellung mit erigiertem Glied. Hausherr Pfarrer Thorsten Aymanns breitete ein Tuch über die Figuren. F ür diese Installation war der Ausstellungsort sicher nicht glücklich Stefie Postler-Lamken, Mitinitiatorin der Kunstage, äußerte sich enttäuscht darüber, dass es zuvor zu keinem Gespräch gekommen war. Die Kirche blieb aber während der üblichen Öffnungszeiten zugänglich. In der evangelischen Kirche stellte das Künstlerehepaar Zarema und Shamsudin Achmadow Objekte zu religiösen und philosophischen Themen aus. Wichtigstes Element ist die Schrift, oft Basis der in Schichten angelegten Werke. Ein kleiner Turm birgt viele Schriftrollen, die im Wechselspiel von Zeigen und Verbergen die Auseinandersetzung eindringlich anfordern.

Große Resonanz
Deutlich mehr als 1000 Besucher Haben die 13 Ausstellungsorte anlässlich der 5. Kunsttage in Schwalmtal besucht. Eine Resonanz, die den Initiatoren Mut für das nächste Jahr machen Sollte. 18 Künstler waren mit ihren Werken präsent und boten Kunst aus unterschiedlichen Kulturkreisen und verschiedene Stömungen der Kunst.

 
Rheinische Post, 12. Oktober. 2004
Bilder voller Geheimnisse

(Sbr) „Mystik“ – so nennt Soheyla Bongartz Fahimi ihre aktuelle Ausstellung im Künstlerhaus Eickener Straße, die mit entsprechend geheimnisvoll klingender Didgeridoo-Musik von Michael Gräfen eröffnet wurde. Voller Geheimnisse stecken Fahimi’s Bilder, Décollagen, Plastiken und Objekte. „Wächter“ nennt sie, „Merlin“, „Tanzender Engel“, „Eremit“ oder „Zauberland“. Mit solchen Titeln verweist Fahimi auf die Grundlage ihrer Bildinhalte. Sie beruft sich auf alte Märchen, Mythen und Sagen wie etwa die Artussage oder auf die lebensnotwendigen Elemente Feuer, Wasser, Erde, Luft und Geist. Weit davon entfernt, Illustrationen von Märchen oder Sagen zu sein, entwickeln ihre Bilder und Décollagen eine Plattform für eigene Assoziationen, Gedanken und Träume. Fahimi’s Arbeitsweise ist so, dass sie mehr andeutet als ausarbeitet. Sie legt zahlreiche Farb- oder in den Décollagen Papierschichten übereinander, aus denen mit etwas Nachhilfe der Malerin, die Konturen oder Schatten hinzufügt, Figuren und Landschaftselemente hervortreten, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Denn Plastiken aus Terrakotta geht ein intensives Bearbeiten des Materials durch Klopfen, Stauchen und Drücken voraus. In diesem Tun übertragen sich Fahimi’s Gedanken auf die entscheidende Form. So klein die Figuren meist sind, so dominant ist ihre Energie und Kraft. Soheyla Bongartz Fahimi wurde 1961 in Bad Honnef geboren. Sie studierte Textil- und Bekleidungstechnik mit Schwerpunkt Design an der Fachhochschule Niederrhein. Seit 1997 arbeitet Fahimi als freischaffende Künstlerin und Designerin. Ihre Ausstellung ist bis 14. November, jeweils sa. und so. 14.00 Uhr bis 19.30 Uhr, zu sehen.

"Tanzender Engel", 2004
Sammlung Steyler Mission,
Kloster St. Michael, Tegelen/NL