Rudolf Barnholt über Soheyla B. Fahimi |
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Soheyla B. Fahimi's neueste Arbeiten sind so etwas wie ein Ticket für eine Reise ins eigene Ich.
Im Mittelpunkt stehen Décollagen, die nicht ohne Hintergedanken aus Schichten von Werbeplakaten aufgebaut wurden: Die bunte, schrille Werbewelt möchte Wünsche in uns wecken, uns in eine bestimmte Richtung lenken. Soheyla B. Fahimi hat etwas ganz anderes mit dem Betrachter ihrer Werke vor: Sie zerstört Schicht für Schicht den schönen Schein, den die Plakate ursprünglich verströmen sollten, schafft dafür eine mystische Welt in zarten, leichten, luftigen Farben. Im Gegensatz zu den Werbestrategen hat sie keine Erwartungshaltung, schreibt nichts vor, sondern lädt unverbindlich ein, einzutauchen in ihre Welt der Träume und Visionen, die häufig ihren Ursprung in der Mythologie hat. Der Betrachter wird ermuntert, eigene Träume und Visionen zu erkennen – und sich selbst zu entdecken. Überlagerte Wünsche und Bedürfnisse sollen entschleiert werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage: Was ist tatsächlich wichtig im Leben? Das erklärte Ziel: Authentisch leben. Dass selbst die Dämonen bei Soheyla B. Fahimi liebenswert wirken, ist in der Geisteshaltung der Künstlerin begründet: Das Böse hat für sie die Funktion, das Gute sichtbar zu machen. Übrigens: Man muss sich ein wenig Zeit nehmen, um die Botschaften und Gestalten, die in den Arbeiten untergebracht sind, zu entdecken. Urplötzlich stehen sie vor einem wie alte Bekannte. RUDOLF BARNHOLT |
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Eröffnung der Ausstellung mit Bildern und Plastiken von Soheyla Bongartz Fahimi am 9. Oktober 2004 im Künstlerhaus Eickener Straße e.V.
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Es war einmal… So beginnen Märchen. Weit davon entfernt, Geschichten für Kinder zu sein, verbergen Märchen vielmehr alte Weisheiten, Lebenserfahrungen; erhalten sie – einem Menschengedächtnis ähnlich – Gefühle und Entwicklungsprozesse, die unser Leben ausmachen; sie berichten von der Erfahrung von Zuwendung ebenso wie von der des Ausgestoßen-Seins, von Liebe und Hass, von Einsamkeit und Trauer, vom Kampf um das Bestehen in der Gesellschaft, von den Kräften, die unser Leben mit - bestimmen. ©Sirgid Blomen-Radermacher |
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C/O MÖNCHENGLADBACH – SOHEYLA B. FAHIMI
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Soheyla B. Fahimis Bilder laden zur Suche ein: zur Suche nach versteckten Köpfen und ganzen Figuren, zur Suche nach verborgenen Landschaftsmotiven, zur Suche nach den versteckten Beziehungen zwischen den Kompositionselementen, zur Suche nach den unterschwelligen Assoziationen, die die Bildwelten von Fahimi auslösen, zur Suche nach neuen Bedeutungen.
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Ein Bild wie das mit dem Titel „Merlin“ wirkt auf den ersten Blick des Betrachters wie eine in zarten Pastelltönen harmonisch abgestimmte abstrakte Farbkomposition. Dieser 1. Eindruck wandelt sich jedoch bei einer längeren Betrachtung: hier schält sich ein Felsen heraus, dort scheinen Nebel zu liegen, hier taucht eine greise Figur mit einem langen weißen Bart auf - und schon ist der Betrachter in einer Geschichte hinein geraten, die – ausgehend und gelenkt von Fahimis Bildgeschichte – in einer eigenen Dynamik einen eigenen Verlauf entwickelt. Assoziationen an erzählte Märchen, an erlebte Geschichten und an phantastische Welten werden geweckt und weiter geführt.
Das ist es, was das Ziel der Malerin ist: die Phantasie des Betrachters anregen, ihn zum Träumen bringen, seine Gedanken lebendig machen und weiter entwickeln. Das Bild „Merlin“ beschäftigt sich tatsächlich mit der Sagengestalt dieses Zauberers. In anderen Gemälden werden weitere Sagen wie die um Artus oder Mythologien ebenso wie religiöse Geschichten und Figuren aufgegriffen – doch nie handelt es sich um eine Illustration der Malerin, vielmehr ist das, was auf der Leinwand entsteht, eine angedeutete Interpretation, die genügend Freiraum für die Kreativität des Betrachters lässt. „Das Gericht“ beispielsweise vermengt Priesterfiguren aus den unterschiedlichsten Religionen wie die christliche, die buddhistische, die hinduistische oder das Schamanentum miteinander. Schier unzählbar sind die schlanken Köpfe auf hohen Gestalten, denn sie bewegen sich nicht nur an der Bildoberfläche, sondern verbergen sich wie Schemen unter der obersten Farbschicht. Fragen nach den Beziehungen zwischen den Religionen oder deren Vertretern stellen sich, Fragen nach den Drahtziehern kirchlicher Macht im Hintergrund tauchen auf. Während „Das Gericht“ mit Acrylfarben gemalt ist, bedient sich Soheyla B. Fahimi in „Merlin“ der Technik der Décollage: über und über beklebte und von Wind und Wetter oder den Händen der Vorübergehenden teilweise abgerissene Plakate entnimmt sie dem ursprünglichen Zusammenhang, um sie für ihre Bilder weiter zu verarbeiten: sie löst Flächen ab, klebt neue darüber und hinzu oder aber lässt das vom Zufall gelenkte Spiel von Formen und Farben bestehen. Aus den zufälligen und den gelenkt-zufälligen Formen entwickelt Fahimi ihre Bildwelten. Durch die Schichtung von Papieren und Plakaten – mindestens sechs Schichten kleben übereinander - entsteht ein fast reliefartiger Eindruck, den Fahimi betont, indem sie nicht alle Schichten glatt aufklebt, sondern Lücken und Spalten offen lässt. Fahimis neue Bilder beschäftigen sich in ihrer Märchen- und Mythenwelt mit dem 5. Element, dem Geist oder Spirit, nachdem sie sich lange Zeit vorher in Malerei und Bildhauerei mit den Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde auseinander gesetzt hat. Der größere Teil der künstlerischen Arbeit von Soheyla B. Fahimi ist von der Malerei geprägt. Wenn die Bildhauerei auch der kleinere Teil ist, so besitzt er für die Künstlerin doch eine tiefe Bedeutung. Während die Malerei die Gefühle, Erinnerungen, Vorstellungen von Fahimi auf dem Weg über Pinsel, Farbe, Leinwand und Papier ab-bildet, so empfindet sie die Arbeit mit dem Ton als die unmittelbarere Umsetzung ihrer Emotionen und Gedanken.„Aus dem Bauch heraus“ entstehen archaische Figuren aus Ton, die sie monochrom und überwiegend dunkel bemalt. Im Formen und Stauchen, Klopfen und Schlagen des Materials kehrt sich für die Künstlerin das Innere ihrer Vorstellungen nach Außen. Auf diese Weise formt sie seit einigen Jahren die „Wächterfiguren“: schlank aufragende, grazile Gestalten, deren Köpfe offen zu sein scheinen, empfangsbereit – so nennt Fahimi es – für alle von Außen kommenden Signale. Dieser offene Schädel gibt den Wächterfiguren etwas Gekröntes und Majestätisches. „Hohe Priesterin“ heißt die eine, „Waldwächterin“ die andere, „Micca“, in Anlehung an den Erzengel Michael, ein weiterer. Engel tauchen unter den Wächtern vielfach auf: beeindruckende Flügel richten sie weit geöffnet nach Oben. Fahimi stellt sich vor, dass die Wächterfiguren Mensch und Natur bewachen und zwar über die Zeitgrenze hinaus: sie bewachen, was war, was ist und was sein wird. ©Sigrid Blomen-Radermacher |
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